Stele

Die STELE am Lühesperrwerk / Ein Abriss droht

Nach der verheerenden Sturmflut 1962 wurden die Deiche der Elbe erhöht, die Deichlinien z.T. zum Wasser hin verlegt und alle Nebenflüsse der Elbe mit neuen Sperrwerken versehen. Ein Sperrwerk schließt seine Tore, wenn der Pegel der Elbe eine bestimmte Höhe über dem mittleren Tidehochwasser überschreitet und verhindert so Überschwemmungen im Hinterland. Auch die Lühe bekam – als Ersatz für das jetzt so genannte „Alte Sperrwerk“ (die Brücke zwischen Grünendeich und Jork-Höhen) ein neues Sperrwerk und eine bewegliche Brücke. Die aufwändigen Baumaßnahmen dauerten von 1962 bis 1967.

Es war dies die hohe Zeit der „Kunst am Bau“; öffentliche Gebäude sollten stets einen bestimmten Prozentsatz der Kosten für „Kunst“ verwenden. Gefördert wurden derartige Projekte durch Bund und Land. Aus diesem Grund kam es wohl dazu, dass auch das kleine Haus zur Bedienung des Sperrwerks und der Brücke mit einem Kunstwerk verschönt werden sollte. Ein regionaler Künstler – Herr Professor Meyer-Bruck, Architekt und Dozent an der Fachhochschule in Buxtehude – wurde beauftragt und er schuf eine bemerkenswerte STELE, die an der Nordwestseite des Sperrwerkswärterhauses befestigt ist. Es überragt das Gebäude um ca. 2 Meter, besteht aus 4 Segmenten in Beton-Fertigteilen und zeigt im oberen Bereich Obstbäume, darunter schafkantige Deiche, unter denen Neptun mit seinem Dreizack wild in den Wellen wütet.

Es war auch die Zeit des rein funktionalen Bauens; so ist das Sperrwärterhaus zwar nach außen hin teilweise verklinkert, aber darunter verbirgt sich schlichter Stahlbeton. Es mag die Motivation des Künstlers gewesen sein, sich dieser kühlen Sachlichkeit zu unterwerfen und für sein Werk ebenfalls Beton zu verwenden. Nicht allein, wegen der Wahl der Materialien, die so typisch für jenen Zeit ist, kann man nur bedauern, dass nicht das gesamte Ensemble längst als technisches Denkmal unter Schutz gestellt worden ist!

Es ist ohnehin zu spät! Denn das NLWKN hat mittlerweile auf der anderen Lüheseite ein ganz neues Sperrwerkswärterhhaus installiert, das zwar mit Technik noch ein paar Probleme hat, ansonsten aber so bald wie möglich das alter Gebäude ablösen soll. Und dann wird abgerissen. Einschließlich Kunstwerk, versteht sich. Denn für den Erhalt der Stele gibt´s kein Budget. Der FÖRDERVEREIN LÜHE-AUE e.V., der sich im weitesten Sinne die Revitalisierung der Lühe zum Ziel gesetzt hat, möchte nicht tatenlos mit ansehen, wie das Werk eines einheimischen Künstlers einfach geschreddert wird.

Es handelt sich schließlich um ein Mahnmal für die furchtbaren Sturmfluten, die das Alte Land oft genug heimgesucht haben; eine Gefahr, die durch die Sperrwerke hoffentlich endgültig gebannt worden ist. Der Respekt vor dem Künstler und die Achtung vor dem Anlass sind Grund genug, dich für den Erhalt der STELE einzusetzen.

Nach Auskunft des NLWKN wird der jetzige Platz vor dem Sperrwerkswärterhaus für die Lagerung und ggf. anstehende Wartungen oder Reparaturen benötigt. Um eine Translozierung der STELE wird man nicht herum kommen. Technisch ist das kein Problem; ein Architekt und ein Statiker haben bereits ein Konzept entwickelt. Um für Bürger und Besucher des Alten Landes jedoch den Bezug zwischen kunstwerk und Sperrwerk auch historisch „begreifbar“ zu machen, sollte Die STELE nicht weit vom Elbdeich und Lühemündung aufgestellt werden; vielleicht dicht bei dem neuen Bauwerk. Freistehend, was ohne große Schwierigkeiten machbar wäre.

Aufgeschrieben von Gudrun Schleif am 6.August 2011

Inzwischen liegen die zerlegten Teile der STELE auf dem Bauhof der Samtgemeinde Lühe. Wir bemühen uns darum, Gelder für eine Finanzierung des Aufbaus der STELE an geeignetem Ort zu erhalten und wir bemühen uns darum von den Lühegemeinden Anerkennung zu erlangen für die Wichtigkeit der Erhaltung der STELE.

Oktober 2016